Programm Kuenstler Kataloge Edition Presse Kontakt |   Intro   Vorschau   Aktuell   Archiv  English version
  [HAUNTINGS – Sonic Spectres. Gespenster, Schatten und Wiedergänger in der Musik von heute]

KONZERTREIHE
generalmusikdirektion
Grieskai 74a, 8020 Graz
06.10-08.09.2011

Konzertansichten auf Facebook

Hörprobe
Harappian Night Recordings & Demdike Stare
Do 6.10, 23h generalmusikdirektion

Hörprobe
Leyland Kirby & Dopplereffekt Fr 7.10, 23h generalmusikdirektion

Hörprobe
Vindicatrix & Shackleton
Sa 8.10, 23h
generalmusikdirektion

Kuratiert von Christian Höller & Thomas Edlinger

Koproduktion musikprotokoll, steirischer herbst, Kunstverein Medienturm

Shuttle-Service Fr 7.10 & Sa 8.10., 22.30h Von der Helmut-List-Halle zur generalmusikdirektion
Seit circa fünf Jahren existiert ein weiträumiges musikalisches Feld zwischen Sampledelica und Dub Noir, das als „Hauntology“ bezeichnet wird. Gemeinsam ist den Künstlern dieser heterogenen Szene die Arbeit mit gespensterhaften Echos und Vintage Sounds aus der Vergangenheit, die teilweise auch als Projektion einer verlorenen Zukunft gedeutet wird. Charakteristisch ist dabei das Liebäugeln mit paranormalen (Medien-)Phänomenen, deren unheimliche Nähe auf vielfältigste Weise beschworen wird. Hinzu kommen häufig ein Spiel mit Intimitäts- und Distanzeffekten sowie das Anzapfen von Referenz-Pools aus obskuren Film- und Fernseh-Soundtracks. Eine musikästhetische Spurensuche, die längst nicht mehr mit dem Stichwort Retro etikettierbar ist.

6. 10. Harappian Night Recordings, Demdike Stare

Ein Sampleschlucker als Gamelan-Punk: Harappian Night Recordings ist das Soloprojekt des Sheffielder Musikers Syed Kamran Ali. Häufig fernöstlich wirkende Field Recordings mit der hypnotischen Patina vergangener Jahrzehnte, die an die indisch-pakistanischen Wurzeln von Ali erinnern könnten, schmeicheln sich als schamanistisch verrückte Loops und Drones in das dritte Ohr. Danach wird die Echokammer beschworen. Das englische, nach einer „Hexe“ benannte Duo Demdike Stare steht für eine okkulte Variante von Dub Noir, die das entrückte Pumpen der „Basic Channel“-Schule mit fremdelnden Synthesizerklängen und dem sinistren Nachhall von horrorfilmartigen Soundtrackeffekten amalgamiert.

7. 10. Leyland Kirby, Dopplereffekt

Als The Caretaker (benannt nach der Hauptfigur aus Stanley Kubricks The Shining) montiert der in Berlin lebende Brite Pianomotive zu ätherischen Soundscapes und grundiert sie mit dem Intimitätsversprechen knacksender und kratzender Vinylnadeln. Als Leyland Kirby schwelgt er in der Überzeugung, dass „die Zukunft auch nicht mehr das ist, was sie einmal war“ und illustriert seine verstörte Melancholie mit elegischen Klangmalereien: „Live for the future, long for the past.“ Der kaum öffentlich auftretende amerikanisch-deutsche Elektronik-Act Dopplereffekt bezieht sich nicht nur durch den technikaffinen Namen auf Vorläufer des Detroit-Techno wie Kraftwerk. Auch die deutschen Pseudonyme der Musiker wie die des Dopplereffekt-Gründers und Ex-Mitglieds der Techno-Mystizisten Drexciya, Gerald Donald alias Heinrich Mueller alias Rudolf Klorzeiger, weisen auf einen starken Bezug zur retrofuturistischen Tradition hin.

8. 10. Vindicatrix, Shackleton

Scott Walker in der Disco: Der britische Bariton-Sänger und Instrumentalist Vindicatrix konfrontiert in seinen Stücken die Aura des klassischen Kunstlieds mit der aufwühlenden Ästhetik der Dancefloors unter dem Einfluss heutiger Microhouse- und Bass Cultures. So entstehen schwarzromantische, zuckende Klagegesang-Tracks, die nicht ohne Grund „alte böse Lieder“ heißen. Den Abschluss von „Sonic Spectres“ bestreitet der britische Dubstep-Pionier Shackleton, der die Bandbreite seiner paranoisch-treibenden Skull-Disco-Beats und die Vorliebe für Zwerchfell-zersetzende Subwoover zuletzt merklich erweitert hat: Im Mittelpunkt seiner neueren, mit „Deadman“ oder „Man on a String“ betitelten Stücke stehen perkussiv-tribalistische Elemente und orientalisch-afrikanisch anmutende, geisterhafte Mantras aus verhallten Sound- und Sprachsamples.

Demdike Stare, Dopplereffekt, Harappian Night Recordings, Leyland Kirby, Shackleton, Vindicatrix

1 2 3 4 5 6 7


« »


 

Demdike Stare, Hauntings - Sonic Spectres, 2011. generalmusikdirektion, Graz. Kooperation: musikprotokoll, steirischer herbst, Kunstverein Medienturm. Foto: Johanna Glösl

2