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  [VERBOTENE LIEBE. Kunst im Sog von Fernsehen]

SHOW
Kunstverein Medienturm
Josefigasse 1, 8020 Graz
26.09-27.11.2010

Di-Sa 10h-13h, Mi-Fr 15h-18h
Ergänzende Öffnungszeiten im steirischen herbst: Sa, So 15h-18h

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Kurator: Sandro Droschl

Koproduktion: Kunstverein Medienturm & steirischer herbst, Kölnischer Kunstverein

Dank an: Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung

Kölnischer Kunstverein
Dauer: 25.9.-19.12.2010
Eröffnung: 24.9.2010, 19h
Kuratorinnen: Anja Nathan-Dorn, Kathrin Jentjens

Judith Barry, Joseph Beuys, Chris Burden, Paul Chan, Mel Chin and the GALA Committee, Jaime Davidovich, Simon Denny, Kalup Linzy, Christoph Schlingensief, Ryan Trecartin, Francesco Vezzoli, Andy Warhol

Symposium
29.9.2010
Cologne Conference
u.a. mit David Joselit, Kalup Linzy, Matthias Michalka, David Simon

Katalog erhältlich

Die großen Diskussionen der 1970er Jahre um Fernsehen sind vergessen. Längst hat sich Fernsehen als das massenwirksame Medium durchgesetzt und wird kaum noch kritisch hinterfragt. Wie erleben heute Künstlerinnen und Künstler, die sich für Fernsehen eher aus einer beiläufigen konsumistischen Rezeptionshaltung heraus für dessen (pop)kulturelle Imageproduktionen und als Ort der Politik interessieren, diese wirkmächtige "Alte Tante"?

Verbotene Liebe: Kunst im Sog von Fernsehen untersucht Fernsehen als reaktiven, offenen Prozess, als Raum des Ringens um Aufmerksamkeit, der (Selbst-)Darstellung und des Affektes, der den Diskurs um Identitïät, Geschlecht und Differenz popularisiert. Als machtvolle Konstruktion bestimmen davon abgeleitete "Bilder" des Fernsehens den Rahmen der Ausstellung, die mit der Teilhabe an einem mediatisierten Produktionsprozess spielt und uns etwas aus der gewohnten Zuschauerhaltung locken möchte.

Die ausgestellten Arbeiten setzen beim Fernsehen als Apparat der Bild-Produktion an und loten Potenziale eines symbolischen Transfers gängiger genre-immanenter Codes und Bedeutungen hin zu eigenen metaphorischen Interpretationen aus. Die Pro- jekte untersuchen gängige, also zumeist etwas verjährte Imageproduktionen des Fernsehens und setzen sich auch mit Formen einer "campen" Ästhetik um ein mögliches "anderes" Fernsehen auseinander.

Der Titel der Ausstellungen "Verbotene Liebe" bezieht sich nicht nur auf eine seit 2004 ausgestrahlte deutsche Fernsehserie, die in der Türkei und Bulgarien erfolgreiche eigenständige Nachahmer hat, sondern auch auf die kanadische "Doku-Fiction Forbidden Love: The Unashamed Stories of Lesbian Lives" (1992). Im Vordergrund der Sendungen stehen melodramatische Beziehungen und Intrigen von wechselnden hetero- und homosexuellen Paare, deren eher harmlose aufklärerische Potentiale sich im Vorabendprogramm unterhaltsam konsumieren lassen.

Der Kölnische Kunstverein zeigt zeitgleich eine gleichnamige Ausstellung, deren Kuratorinnen Anja Nathan-Dorn und Kathrin Jentjens "die Verführungsmethoden des Fernsehens mit ihren 'grellen Manierismen' und Fernsehen als Erlebniswelt mit unterschiedlichsten Formaten und Kommunikationsformen und den darin enthaltenen Doppeldeutigkeiten beobachten. Das Projekt zielt nicht auf eine inhaltliche oder moralische Analyse des Fernsehens, sondern interessiert sich für eine ästhetische, eine 'campe' Betrachtungsweise dieses Feldes, wie Susan Sontag sie in ihren Anmerkungen zu 'Camp' beschrieben hat."

Die Grazer Ausstellung konzentriert sich dabei auf den künstlerischen Zugriff auf verwandte Fernsehformate wie Soap Operas und Doku-Fictions und deren Hang zur Inszenierung, Verklärung und Bedeutungsverschiebung, sowie das Spiel von Interesse und Teilnahmslosigkeit an Fernsehen als sich an seinen Rändern immer wieder erneuerndes, aber nur hinlänglich interessantes Massenmedium.

In ihren "Cadavre Exquise Vivants" stellen BitteBitteJaJa (Ulu Braun / Roland Rauschmeier) abartige Körper-Collagen zusammen, deren Gliedmaßen und Elemente sie aus Ausschnitten von unterschiedlichen Fernseh- und Filmproduktionen gewinnen. Ihre "vorzüglichen Schein-Toten" erinnern an Traumbilder schlechter Horror- und Science-Fiction Movies, deren burleske DarstellerInnen in ihrer sexuellen Gestik erstaunlich unbestimmten Geschlechts und Herkunft sind. Ihre aktuelle Arbeit bezieht sich auf die mythische Nymphe "Daphne" (2010). Als Antwort auf Eros vermeintlich fehlender Zielgenauigkeit traf Apollo ein Pfeil, der ihn unsterblich in Daphne verlieben ließ. Diese erstarrte zu einem Baum, um sich Apollos Werben zu entziehen.

In einer aktualisierten Überarbeitung ihrer Installation "Apokalypso Place" (2000/10) richten Christoph Draeger und Reynold Reynolds ein Wohnzimmer einer SitCom-Produktion ein, das durch eine Naturkatastrophe beschädigt ist. Anhand einer fernsehsüchtigen, überdrehten Familie, die sich an vom Fernsehen übertragenen Katastrophen labt und nun selbst Opfer und daher nachrichtenrelevant wird, untersuchen Draeger und Reynolds die nach Aufmerksamkeit heischenden Mechanismen unserer Medienkultur und deren expressiven Charaktere.

In der Installation "Majka from the Movie" (2009/10) zeigt Zuzanna Janin sieben Episoden der gleichnamigen polnischen Fernsehserie aus den 1970er Jahren, die sie mit selbstgedrehtem aktuellen Material ergänzt und überblendet. In der Original-Version war Janin der titelgebende Kinderstar, nun spielt ihre Tochter die Hauptrolle. Die erfolgreiche Fernsehserie handelt von Majkas Jugend, ihren Wünschen und Träumen, die durch das damalige politische Regime auf Polen beschränkt blieben und in ihrer aktuellen globalen Darstellung grenzenlos und eigenartig austauschbar wirken.

Ein gemeinsamer Katalog und ein Symposium begleiten das Gesamtprojekt.





BitteBitteJaJa (Ulu Braun/Roland Rauschmeier), Christoph Draeger / Reynold Reynolds, Omer Fast, Frédéric Moser / Philippe Schwinger, Marlene Haring, Judith Hopf, Sanja Ivekovic´, Zuzanna Janin, Marko Lulic´, Susanne Schuda, Heimo Zobernig

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Marko Lulic´, Space-Girl Dance , 2009. Video, HD, DVD, 3�. Foto: Rainer Iglar

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