Programm Kuenstler Kataloge Edition Presse Kontakt |   Intro   Vorschau   Aktuell   Archiv  English version
  [WITH YOUR EYES ONLY. Display Reduktive Kunst]

SHOW
Kunstverein Medienturm
Josefigasse 1, 8020 Graz
11.12-13.02.2010

Di – SA 10 – 13h,
MI – FR 15 – 18h

Schließtage:
23.12.2009 – 6.1.2010

Eröffnung: 11.12.2009, 19h

KünstlerInnen-Gespräch: 12.12.2009 11h

Führungen:
freitags 17h & nach Vereinbarung

Konzept:
Tilman; CCNOA – Center for Contemporary Non-Objective Art, Brüssel

Ausstellungsdisplay:
Ward Denys

Dank an:
„Departement Cultuur“ der Flämischen Regierung, Office for Contemporary Art Norway, University of Auckland, Hogeschool Sint-Lukas Brussel, Duropack Aktiengesellschaft, Graz

Gefördert von:
BMUKK, Kunstsektion; Land Steiermark, Kulturabteilung; Stadt Graz, Kulturabteilung

Pressegespräch:
11.12.2009, 11h, Kunstverein Medienturm
BILDMATERIAL PRESSE
WITH YOUR EYES ONLY ist ein experimentelles Ausstellungsprojekt, das in einer Collage aus künstlerischen Interventionen und Objekten Elemente der Wahrnehmung untersucht. Innerhalb des Rahmens reduktiver Kunst werden Wahrnehmungsebenen und Mechanismen der Betrachtung in einem multidisziplinären, spielerischen Zugang hinterfragt. Ausgangspunkt sind die phänomenologischen Bedingungen der künstlerischen Produktion, wie Farbe, Licht, Material und Zeit, die Struktur und Inhalt von reduktiven Arbeiten beeinflussen und sich darin exemplarisch Fragestellungen der Wahrnehmung öffnen. Visuelles Gerüst für die künstlerischen Eingriffe ist ein architektonisches Display, das durch seine inszenatorischen Qualitäten direkt Bezug nimmt auf eine sich verändernde Raumerfahrung und gleichzeitig eine Plattform der Präsentation verschiedenster Wahrnehmungsebenen darstellt.

Reduktive Kunst ist eine relationale „Kunstsprache“, die auf eine Präzisierung von Wahrnehmung abzielt und durch eine analytische und emotionale Annäherung abstrahierende Bildstrategien entwickelt. Darin hinterfragen reduktive Arbeiten nicht nur ihre Bedingungen, sondern verweisen in Form ihrer vermittelnden Trägerfunktion auch auf nicht direkt erfahrbare, weiterreichende Inhalte und Zusammenhänge. Im Vordergrund des Untersuchens dieser Strategien reduktiver Kunst und ihrer sich mitteilenden „Körperhaftigkeit“ steht die Beziehung von BetrachterIn und Objekt, die in der Verbindung von physisch geleiteten assoziativen Reaktionen, intellektuellem Bewusstsein und der Interpretation von Bedeutungsinhalten zu einem Klärungsversuch des Verständnis eines Kunstwerks beitragen.

Die Thematik nimmt auch Bezug auf Gedanken einer partizipatorischen Wahrnehmung eines Kunstwerks mit einem offenen, vom eigentlichen Objekt gelösten Werkbegriff, wie sie in den 1960er Jahren u. a. von dem amerikanischen Künstler Robert Morris formuliert wurden. Dem Ansatz, das Kunstwerk einer phänomenologischen Erfahrung auszusetzen, wurde von Michael Fried kritisch entgegengehalten, dass sich diese Kunstauffassung einer Theatralität verschreibt, die BetrachterInnen sich selbst überlässt und den vermeintlich auratischen Anspruch eines Kunstwerkes negiert (Art and Objecthood, 1967). In der zeitgenössischen Kunst und besonders im reduktiven Bereich werden diese u. a. von Morris vorgeschlagenen Gestaltungsmöglichkeiten bewusst eingesetzt und unter veränderten Bedingungen neu diskutiert.

Die Begegnung mit Strategien einer reduktiven Bildsprache untersucht das Ausstellungsprojekt WITH YOUR EYES ONLY im Kontext eines relationalen, bewegungsgebundenen Wahrnehmungsverhaltens. Durch den Versuch einer relativ unkonventionellen Präsentation von künstlerischen Objekten und Interventionen nimmt die Ausstellung bewusst auf die übersetzenden, transformativen Qualitäten der jeweils angesprochenen Wahrnehmungsebenen Bezug, die sich zu einem inhaltlich erweiterten Diskurs verdichten. Die in unterschiedlichen Verfahren entwickelten künstlerischen Strategien zielen auf die Entwicklung eines dialogischen Prozess der Wahrnehmung. Dies geschieht auch durch Arbeitweisen, die örtliche Begebenheiten in Betracht ziehen und das Werk in den vorgefundenen bzw. hergestellten Raum integrieren.
Die entstehenden Objekte dienen in diesem Prozess als Informationsträger, die über eine sensorische Betrachtungsweise auf die eigentlichen Inhalte aufmerksam machen. Die Trägerfunktion des Objekts vermittelt unterschiedliche Zugänge des Erkennens, sie fordert zu physischer Teilnahme und gedanklicher Auseinandersetzung auf. Dabei wird zunächst gerne ein Rückgriff auf uns vertraute und bekannte Wahrnehmungsmuster hergestellt, die jedoch stets auf ihre Aktualität und das konkrete Objekt hin zu überprüfen sind.

Die vor Ort angefertigte, raumgreifende Intervention des belgischen Künstlers Ward Denys wird die Parameter der optisch-gestalterischen Grundausrichtung des Gesamtprojektes setzen. Denys setzt sich mit den Überschneidungen von visueller Kunst und Architektur auseinander, wobei die Grenzen von Funktionalität und Dysfunktionalität, von Oberfläche und Raum untersucht werden. Oftmals spielt eine physische Umkehrung der vorgefundenen Situation und des Objekts, ähnlich eines Spiegeleffekt, eine tragende Rolle. Durch diese „Aufhebung“ physikalischer Konstanten bezieht er die BetrachterInnen und deren Wahrnehmungsaufnahme in das Werk ein. Denys realisiert diesen Ansatz mittels einer „Verschiebung“ des Ausstellungsraumes, indem er den Grundriss um etwa 35 Grad rotiert und durch die veränderte räumliche Orientierung eine Verschiebung und Übersetzung der Wahrnehmung einfordert. Dieser „neue“ Grundriss ist der Bauplan für seine ortspezifische Konstruktion, deren Struktur gleichzeitig Träger und Plattform für die weiteren künstlerischen Arbeiten ist.

In einer durch diesen Eingriff neu entstandenen Raumsituation wird der New Yorker Künstler Dan Walsh seine Überlegungen zu Licht als eine phänomenologische Bedingung der künstlerischen Produktion interpretieren. Walsh versteht das Medium Malerei als ein Werkzeug, um die Betrachtung von Wahrnehmungsmechanismen ins Spiel zu bringen. Die Hinterfragung des Wahrnehmungsprozess steht im Fokus seiner analytisch experimentell ausgerichteten Projekte, die er seit Jahren verfolgt. Walsh wird in situ einige Objekte von ähnlicher Beschaffenheit und Form konstruieren und sie verschiedenen Lichtverhältnissen und -qualitäten aussetzen, um die Veränderungen der Perzeption zu untersuchen.

Durch seine malerisch motivierten Eingriffe in vorgegebene, oftmals auch eigens konstruierte räumliche Situationen, gestaltet der in Brüssel lebende Künstler Pieter Vermeersch ortspezifische Environments. Mit malerischen Mitteln beschreibt Vermeersch räumliche Gegebenheiten und deren Interaktion mit Farbe. Durch diese von ihm geschaffenen Farbräume erreicht er eine unmittelbare Teilnahme der BetrachterInnen und spricht deren sensorische Wahrnehmungsebenen an. Vermeerschs Beitrag wird in enger Zusammenarbeit mit Ward Denys entstehen und dessen architektonische Intervention in Bezug auf Farbe und Raum einbeziehen.

In der eigens konzipierten Video-Installation „Minimal Reality“ geht die russische Künstlerin Alexandra Dementieva gezielt auf den Prozess visueller Wahrnehmung ein. Was wir wahrnehmen ist eine Bewegung, ein additiver und subtraktiver Zeitablauf, der sich durch einen Prozess der Kontrastierung manifestiert. In einem minutiösen Vorgang entwickelt sich ausgehend von einem weißen, „leeren“ Bild eine komplementäre Form bis hin zu ihrer erneuten Entleerung. Wir wissen nicht und werden nicht wirklich wissen was dieses „Image“ darstellt. Was wir sehen ist ein auf den Akt des Sehens selbst zurückverweisenden Vorgang, der durch die Zusammenarbeit mit dem belgischen Tonkünstler Aernoudt Jacobs auf eine erweiterte sensorische Wahrnehmungsebene gehoben wird.

Die Beiträge der weiteren teilnehmenden KünstlerInnen werden so integriert und präsentiert, dass ein enger Zusammenhang zwischen den verschiedensten Wahrnehmungsebenen entstehen wird und sich ein Dialog der sensorischen Qualitäten einstellt. Die Gesamtheit der gezeigten Objekte soll sich zu einem Bild im erweiterten Sinne verdichten, gelenkt von einer Verbindung unterschiedlichster Wahrnehmungsmuster und Inhalte, die sich überschneiden, ergänzen oder auch voneinander absetzen. Die Arbeiten gehen einen Dialog im Sinne des Betrachtens und Begehens visueller Wahrnehmungsebenen ein, der als Angebot einer physischen, mentalen und sensorischen Entdeckungsreise gedacht ist.

Das Ausstellungsprojekt bietet schließlich die Gelegenheit, mögliche tradierte Erwartungen bezüglich der eigenen Wahrnehmung von reduktiver Kunst kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls verändert zu bewerten. WITH YOUR EYES ONLY spielt darauf an, den eigenen Standort im Zusammenspiel mit den vorgefundenen Objekten und Situationen immer wieder neu zu überprüfen.

Greet Billet, Kjell Bjørgeengen, Alexandra Dementieva, Ward Denys, Clemens Hollerer, Simon Ingram, Aernoudt Jacobs, Léopoldine Roux, Esther Stocker, Tilman, Pieter Vermeersch, Dan Walsh, Carrie Yamaoka

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11


« »


 

Greet Billet, 1/256 - 256/256, 256 different kinds of black in a movie, 2009. Graue Farbe auf Wand, Videoprojektion. Foto: Rainer Iglar

1