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  [CONCEPT FILM (I). Dorit Margreiter / Ursula Mayer]

SHOW
Kunstverein Medienturm
Josefigasse 1, 8020 Graz
19.03-30.05.2009

Eröffnung: 18.3.2009

Öffnungszeiten:
Di – Sa 10 – 13h &
Mi – Fr 15 – 18h

Sonderöffnungszeiten:
19. – 22.3.2009, 10 – 18h

Katalog (geplant):
CONCEPT FILM, Verlag Folio (Bozen/Wien)
Dokumentation der Ausstellungsreihe CONCEPT FILM I – IV (2009 – 2011)

Dank an: Land Steiermark, Kulturabteilung; BMUKK Wien, Kunstsektion; Stadt Graz,
Kulturamt; Diagonale. Festival des österreichischen Films, BAWAG P.S.K; Generali Foundation

Kooperation: Diagonale. Festival des österreichischen Films
Über einen längeren Zeitraum plant der Kunstverein Medienturm die mehrteilige Ausstellungsreihe CONCEPT FILM, die sich mit dem Verhältnis von Film und dessen Repräsentation und Stellung im Ausstellungsraum auseinandersetzt. Anhand exemplarischer Positionen wird die Auseinandersetzung von KünstlerInnen mit dem Medium Film im Kontext Kunst untersucht, der gegenüber dem zentrierten und filmhistorisch kodierten Kinobereich über offenere räumliche und inhaltliche Parameter verfügt und das Verschränken mit weiteren künstlerischen Verfahren ermöglicht. In ihrer bewussten Bezugnahme auf die Materialität, Produktion und Geschichte des Films verschieben und erweitern die eingeladenen KünstlerInnen den filmspezifischen Kontext.

Den Anfang der Ausstellungsreihe gestalten mit Dorit Margreiter (*1967, lebt in Wien und L.A.) und Ursula Mayer (*1970, lebt in London) zwei für diesen Zusammenhang wesentliche, international anerkannte Künstlerinnen, die in ihrer eigenständigen und pointierten Auseinandersetzung mit dem filmischen Kontext auch an eine wichtige Tradition der jüngeren Kunstgeschichte anknüpfen. Neben Film arbeiten sie mit unterschiedlichen weiteren Medien, Margreiter mit Video, Text und Fotografie, Mayer mit Video, Skulptur und Fotografie. Beide KünstlerInnen verbindet das Interesse an Fragestellungen der Darstellung und Historizität von Räumen und Architekturen, an subjektiven Entwürfen von (kunstimmanenten) Prozessen der Erinnerung und deren Verschiebungen, an einem Spiel mit Personen in einem klar umrissenen Setting, das bis zu detailverliebten, teils narrativen „Re-Enactments“ führen kann. Das mittlerweile schon selbst mit etwas Patina belegte Medium Film scheint für Margreiter und Mayer einen aktuellen Blick auf (spät-)modernistisch aufgeladene (Frauen-)Figuren und Architekturen zu öffnen, um diese respektvoll ein Stück weit aus ihrem Kontext herauszunehmen und mit einer „neuen“ Geschichte zu konfrontieren.

Das von John Lautner geplante Gebäude am 10104 Angelo View Drive in Beverly Hills, Los Angeles ist ein spätmodernistischer Prachtbau, der durch versenkbare Wände und weitere verschiebbare architektonische Elemente besticht. Neben seiner Hanglage ist vermutlich genau diese Umkehrung einer gängigen statischen hin zu einer beweglichen (Innen-)Architektur der Grund, warum hier einige Hollywood-Produktionen gefilmt wurden. Dorit Margreiter nutzt das Haus als Produktionsort für ihre Arbeit „10104 Angelo View Drive“, wobei sie das leere Gebäude ähnlich einer Architektur-Dokumentation in ruhigen, genau kadrierten Standbildern abfilmt. Durch seine wie von einer allmächtigen Regie punktgenau kontrollierten, mechanischen architektonischen Besonderheiten wirkt das verlassene Gebäude eigenartig belebt, es scheint fast selbst seine Geschichte erzählen zu wollen. In momenthaften Szenen durchbricht die kalifornische Künstlerinnengruppe „Toxic Titties“ den langsamen Gang durch das Gebäude, um in performativ aufgeladenen Verweisen eine bewusst im Unklaren gehaltene „Erzählung“ in das vorgefundene filmische Setting einzubringen. Neben einer Projektion des Films zeigt Margreiter eine ergänzende mehrteilige Fotoarbeit.

Ursula Mayers aktueller Film „The Lunch in Fur / Le Déjeunere en Fourrure” handelt von einem fiktiven Gespräch von Meret Oppenheim, Josephine Baker und Dora Maar. In einem spätmodernistischen Wohnhaus lassen die drei KünstlerInnen Vergangenheit und Gegenwart ineinander übergehen, indem sie ihre Erinnerungen durch das Betrachten persönlicher Gegenstände und Kunstwerke aufrufen. Die suggestiv kreisende, nicht lineare Handlung entwickelt sich anhand von introspektiven Bildern der Erinnerung, die sich über unser historisiertes Bild einer zumeist männlich konnotierten modernistischen und hier keineswegs abgeschlossenen Periode legt: „And sometimes one can remember the same scene from one´s own past perspective… seen oneself.“
Der Film „Memories of Mirror / Theatrical Personalities after Mary Wigman and Madame d´Ora” zeigt drei Frauen in opulenten Kleidern der 1920er Jahre, die eine Choreografie von Mary Wigman, einer Wegbereiterin des modernistischen Ausdruckstanzes, interpretieren. In abstrahierten Gesten und zurückhaltenden Bewegungen bespielen die Tänzerinnen den historisch aufgeladenen, hier leeren Zeit/Raum, der auch durch das Spiel von Schwarz/Weiß und Farbe wie Licht und Schatten strukturiert wird. Schließlich wirft ein Spiegel das auf die Bühne einfallende Licht auf die Kamera und macht so eine weitere Kommunikationsebene mit den BetrachterInnen auf, die neben formalen, inhaltlichen und historischen Aspekten auch nach den Bedingungen und möglichen Kontinuitäten der Produktion von Film und Kunst fragen lässt.

Im Amsterdamer Kunstverein „Arti et Amicitiae“ läuft vom 4.4. bis 17.5.2009 der von Norbert Pfaffenbichler kuratierte zweite Teil der Reihe CONCEPT FILM. In der Ausstellung werden jeweils unterschiedliche Aspekte des Phänomen Film analysiert, wie etwa die technische Grundlage der Bewegungsillusion (Gebhard Sengmüller), codierte Raumwahrnehmungen (Lotte Schreiber), elliptische Erzählstrategien (Ben Pointeker) oder das komplexe Verhältnis von Bild und Ton (Dariusz Kowalski).

Dorit Margreiter, Ursula Mayer

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Dorit Margreiter, 10104 Angelo View Drive (Prequel), 2004. C-Print, 45 x 60 cm. Ausstellungsansicht Foto: Rainer Iglar

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