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  [HOLLYWOOD IST EIN VERB. Isabell Heimerdinger / Karina Nimmerfall]

SHOW
Kunstverein Medienturm
Josefigasse 1, 8020 Graz
12.07-12.09.2008

Öffnungszeiten: Di-Fr 10-14h

Eröffnung: 11.07.2008 19h

Das Ausstellungsprojekt der in Berlin lebenden Künstlerinnen Isabell Heimerdinger und Karina Nimmerfall thematisiert Phänomene der fiktionalen Realität und versucht in verschiedenen künstlerischen Ansätzen die Austauschbarkeit von Wirklichkeiten und deren (mediale) Konstruktion zu beschreiben. Während Isabell Heimerdinger in ihren aktuellen Arbeiten vor allem die Grenze zwischen den verschiedenen Äußerungsformen von Wirklichkeit sichtbar macht, und dabei in Zusammenarbeit mit Schauspielern sich auf das „Sich an die Stelle setzen“ – auf auswechselbare Identitäten konzentriert, untersuchen die begehbaren Rauminstallationen Karina Nimmerfalls Film- und Fernsehproduktionen auf bestimmte Verwendungsmuster von Orts- und Raumbeschreibungen, die den „realen“ Ort durch ihre mediale Konstruktion ersetzen.

Im Zentrum von Isabell Heimerdingers Werk steht die Auseinandersetzung mit dem Kino und seinen Produktionsbedingungen. In experimentellen Filmen wie „I was Andy Warhol’s Dracula“, „Alice“ (beide 2000), „Waiting, Acting Waiting (2002) oder „LOVEFILM“ (2004), bei denen Heimerdinger mit Udo Kier, Rüdiger Vogler, Wolfram Berger oder Bibiana Beglau zusammengearbeitet hat, lotete sie das Grenzgebiet zwischen gespielter und ungespielter Wirklichkeit aus. „Detour“ setzt diese Reihe fort, zeigt aber zugleich eine Ausweitung der cinematographischen und narrativen Möglichkeiten der Künstlerin. Sommer in der Provence. Eine junge Frau ist per Anhalter auf dem Weg nach Süden. Sie steigt in den Wagen eines Mannes aus der Region. Die ganze Aufmerksamkeit der Frau gilt der Schönheit der vorüberziehenden Natur. Der Fahrer schlägt einen Umweg über den Mont Sainte Victoire vor. Er könne ihr den Ort zeigen, an dem Cézanne gemalt hat. Und während die junge Anhalterin sich in die Welt Cézannes träumt, verliert sich der Mann in ihrer Jugend.

Karina Nimmerfall wird ausgehend von der mediatisierten Darstellung und Wahrnehmung von Raum und Bezug nehmend auf bestimmte Architekturmodelle und deren gezielten Verwendung in der Unterhaltungsindustrie, ein eigens für die Ausstellungsräume des Kunstverein Medienturms begehbares mehrteiliges Raum-Video System entwickeln, das sowohl räumliche als auch mediale Wahrnehmungsebenen verschiebt und eine neue Raum/Zeit Situation erzeugt. Ausgangspunkt dabei bildet das legendäre 1921 erbaute und 2006 zerstörte Ambassador Hotel in Los Angeles, das nicht nur eng mit der Geschichte des „Golden Age“ Hollywoods verbunden war (es diente ab 1930 als Ort für die ersten Academy Awards) und für das Ende einer politischen Ära (1968 wurde Robert Kennedy in der Hotelküche ermordert), sondern das nach seiner Schließung im Jahre 1989 ausschließlich an Filmproduktionen vermietet wurde: Mit über 100 Produktionen im Jahr war es eines der meist benutzten Filmsets in Los Angeles. Das Projekt „Double Location“ (The Ambassador Hotel) benutzt dieses Phänomen als Ausgangspunkt um die berühmte und als Backdrop für unzählige Film und TV Produktionen verwendete Hotellobby des Hotels zu „rekonstruieren“. Bei dieser „Rekonstruktion“ (einer fotorealistischen computergenerierten 3D Animation) handelt es sich jedoch um kein „objektives“ architektonisches Raummodell an Hand von Dokumentationsmaterial, sondern um einen virtuellen Raum, der auf „kollektiven Erinnerungen“ und medial vermittelten Raumbeschreibungen basiert: Der virtuelle Raum im Video wird aus einer Zusammensetzung medialer Informationen erzeugt und spielt mit dem Phänomen eines multiplen Filmraums, einem Raum der durch seine unzählige filmische Verwendung auf die Wahrnehmung des „Realraums“ des Hotels, und damit auf die Wahrnehmung von Wirklichkeit zurückwirkt.

Isabell Heimerdinger, Karina Nimmerfall

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Isabell Heimerdinger, DETOUR, 2007. Standfoto, 16mm Farbfilm, Lichtton, 10 min. Galerie Mehdi Chouakri, Berlin

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