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  [PASSING DRAMA. Angela Melitopoulos]

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Verein Medienturm
Großmarktstraße 8b, A-8020 Graz
21.06.2001

Wie funktioniert das Erinnern und Erzählen einer Geschichte, wenn sich der Standpunkt des Erzählers ständig verändert und sich seine Erinnerungen immer wieder neu zusammenfügen?
PASSING DRAMA beschreibt Geschichten von griechischen Flüchtlingen im 20. Jahrhundert. Von den mündlichen Überlieferungen ihrer Familie ausgehend erzählt die Autorin von der Vertreibung ihrer Familie aus Kleinasien (1923), von einer Stadt in Nordgriechenland namens Drama und von Fluchtversuchen ihres Vaters aus der Zwangsarbeit in Österreich im zweiten Weltkrieg.
Eine historische Beweisführung vom Standpunkt der verdrängten Minderheiten ist nicht beabsichtigt, da sich diese Geschichte nicht auf eine Generation und ein Territorium bezieht, sondern auf viele. „Die private Geschichte der Verjagten erweist sich als Geschichte der ‚Privatio‘ im eigentlichen Sinne des Wortes: als unendliche Beraubung
[...].“ (Hito Steyerl)
Die Flucht als Motiv der Erzählung wird in PASSING DRAMA zu einem filmischen Thema über Erzählung und Gedächtnis selbst. Historie erscheint als eine Maschinerie, die für das Wohl einer unsichtbaren Mehrheit Minderheiten verschlingt. Drama wird zur Bühne des Vergessens, allerdings eines Vergessens, das nicht aufgehört hat, zu bewegen.
Das Vergessen oder die Notierung des Vergessens wird durch die Montage verschiedener Vergangenheitsebenen spürbar. Jeder Ort der Erzählung erscheint als eine differenzierte Zeitebene, mal als Erinnerungsort oder auch als Ort der Handlung. Stimmen werden einerseits als Text aber auch als Tonmaterial genutzt. Sie bilden die Fäden eines Gewebes, die narrative Struktur des Videos ist hypertextuell.
Der Text der Erzähler wurde unter dem Aspekt der generativen Übertragung geordnet und miteinander verwoben: das Vergessen von gestern hatte sich mit dem Vergessen von vorgestern und heute verwoben.

Angela Melitopoulos

Angela Melitopoulos