Programm Kuenstler Kataloge Edition Presse Kontakt |   Intro   Vorschau   Aktuell   Archiv  English version
  [MONITORING. Günther Selichar]

SHOW / ON SITE
Verein Medienturm
Großmarktstraße 8b, A-8020 Graz
25.01.2001

Selichars Arbeiten stehen in der Tradition der Moderne, mit dem Blick auf Malewitsch, Barnett Newman, Rothko und Richter, auch begreift er seine fotografischen Arbeiten als einen aufklärerischen Beitrag im Reigen der medienkritischen Erhellungen und rekurriert wie selbstverständlich auf das Medium Fotografie, das älteste der Neuen Medien [...].
Die Vergrößerungen von infographischen Trägern, von Monitoren, Fotokopien, Drucken etc. führen uns jenen „Ort“ vor Augen, der die Spuren unserer Anwesenheit (fort)trägt. Die Träger also, denen wir die Überlieferung unserer Anwesenheit Überantworten, tragen bereits ein „Mal“, wirken schon wie „punktiert“, verletzt und entsprechen keineswegs der Makellosigkeit einer Fläche, der wir die Dimensionen des Raumes opfern [...].
Die Arbeiten Selichars zeigen, dass jede medientechnische Apparatur das Dargestellte in eine „Sphäre prinzipieller Andersheit“ trägt. Jede Reproduktion trägt das Mal dieser „Andersheit“ und generiert somit eine wirklich produktive Differenz [...].
So wenig wie die „Screens, cold“ eine Unterscheidung von Innen und Außen, von Oberfläche und Verborgenem zulassen, so sehr erfahren wir den Verlust von Schwellen, die uns innere von äußeren Räumen unterscheiden ließen. Wir bewegen uns durch urbane oder private Räume wie in den Passagen des 19. Jahrhunderts, nur dass die Auslagen durch flimmernde Monitore, Flatscreens und laufende Buchstaben ersetzt worden sind. Die Einebnung des Raumes spiegelt sich in den „Screens, cold“, und die von Malewitsch einst für den Suprematismus geforderte Abkehr von der Malerei zugunsten einer elektrisierenden Erregung durch die materielle Welt wirkt hier nun wie befriedet. Wenn Architekturen in interaktive Screens gehüllt werden, wie es zunehmend mit den Media-Buildings geschehen wird, dann kehrt ein Postulat der Fläche zurück, des Tafelbildes als Verheißung einer äußeren, jederzeit abrufbaren, aber nicht zugänglichen, nicht betretbaren Welt.

Hubertus von Amelunxen

Günther Selichar

1


« »


 

Günther Selichar, Screen,cold#14, 1997/2000. Aquarelle. Edition Galerie Fotohof Salzburg, 2000.

1