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  [UNTIMELY PATTERNS. Muster, Strukturen, Brüche]

SHOW
Kunstverein Medienturm
Josefigasse 1, 8020 Graz
09.05-30.07.2005

Die Ausstellung UNTIMELY PATTERNS präsentiert mit Gregor Eldarb und Andrés Ramírez Gaviria zwei Künstler, die innerhalb selbst entworfener komplexer Systeme wiederkehrenden Mustern und deren Brüchen nachgehen.

Wesentliches Kennzeichen der Arbeiten Eldarbs ist das freie Agieren zwischen den Medien: Malerei verbindet sich mit Skulptur, Installation und Fotografie. Der Um-Raum wird zum Bestandteil des Bildes. In seinen malerischen Skulpturen und Fotoserien entwickelt Eldarb aus dem Vokabular der geometrischen Abstraktion komplexe Strukturen, welche die Formensprache der Moderne aufgreifen und das Tafelbild auf vielfältige Weise in den Raum erweitern.
Die Stadt- und Architekturmodelle Eldarbs setzen sich aus vielschichtigen Räumen zusammen, die durch Farbflächen gegliedert werden. Die Farbe erscheint dabei als Oberfläche des Materials. Eldarb verwendet keine gemischten Töne, sondern nutzt die Eigenfarben geklebter und gesteckter Papierschnipsel und Pappstückchen. Seine Kompositionen aus Rechtecken fügen sich so zu horizontalen und vertikalen Verläufen, in denen sich eine Form aus der nächsten ergibt. Die einzelnen Module sind keine isolierten, in sich abgeschlossenen Einheiten, sondern offene Systeme, die sich zu potenziell unbegrenzten Strukturen weiten. Obschon die Werke klare Grenzen haben, heben sie diese doch zugleich auf. Die abstrakten Ordnungen im Detail werden gegen eine überbordende, labyrinthische Akkumulation von Formen und Farben ausgespielt.
Die zahlreichen Variationen zeugen von einer Arbeitsweise, welche die Idee im Prozess des Machens formuliert und weiterspinnt. Eldarb findet die einzelnen Formen im Dialog mit ihrer Wandelbarkeit. Dahinter steht eine Haltung, die offen ist für das Experiment und Improvisation als bildnerische Strategie einsetzt. Der Produktionsprozess selbst wird auf diese Weise in den Arbeiten thematisiert. Den Modellen wohnt ein besonderes Spannungsverhältnis inne: einerseits zitieren sie die Architektursprache der Funktionalität und geometrischen Strenge, andererseits assoziieren sie das wilde Bauen in den Siedlungen aus Wellblechhütten und das damit einhergehende Wuchern der Vorstädte ins Endlose. Eldarb entwirft das Bild einer Moderne, die aus schnellen Übergängen, Gleichzeitigkeit der Eindrücke und überfordernder Unüberschaubarkeit aber auch aus Rhythmus, harmonischem Maß und planvoller Modulation gebaut ist und zwischen diesen Facetten der Wirklichkeit oszilliert.

Andrés Ramírez Gaviria (mit Erich Fahringer und Werner Zotter) zeigt die soundgekoppelte Licht-Installation „Between Forms of Representation and Interpretation“. Ein vorprogrammiertes Schema, das auf einem vom Künstler verfassten Konzept basiert, steuert jede der 480 LEDs und ein synchronisiertes Audiosystem. Das Konzept ist in eine Serie abstrakter Lichtmuster übersetzt und bleibt somit in geschriebener Form nicht fassbar. Das Projekt verweist auf grundlegende Unterschiede zwischen wahrnehmender und kognitiver Erfahrung. Üblicherweise erhält der Betrachter zusätzliche Informationen in Textform, die das ausgestellte Kunstwerk erklären. Oft wird jedoch die Wahrnehmung des Kunstwerks nicht durch das Verständnis des Texts unterstützt. Die Diskrepanz zwischen subjektiver und objektiver Information bleibt intakt. Die Installation integriert distinkte Systeme der Daten-Repräsentation, um referentielle und selbstreferentielle Ansätze zu verbinden. Das Einbeziehen der Textanalyse in die formalen Eigenschaften des Kunstwerkes erklärt und erweitert es, indem es auf eine selbstreferentielle und externe Rhetorik verweist. Das Projekt verweist auf die Bedeutung der kontextuellen Analyse in Informationssystemen. Mittels des Interfaces relativiert die Installation wahrnehmungsbedingte wie auch kognitive Mechanismen der Datenanalyse, indem sie zwischen unterschiedlichen Formen der Repräsentation übersetzt. Die Methoden der Visualisierung und Sonifizierung von Daten machen ein Entschlüsseln unwahrscheinlich. Einerseits ist der Text auf einem Raster als ein abstraktes Display von Lichtmustern visualisiert, andererseits sind die Lichtsegmente, die das Raster formen, auf verschiedenen Ebenen installiert, sodass ihre komplette Anordnung nur aus der „Vogelperspektive“ wahrgenommen werden könnte. Nicht nur die Semantik des Texts ist in der Lichtsequenz codiert, auch die Syntax – das Raster – bleibt rätselhaft. Durch die Visualisierung und Sonifizierung von Daten erweitert die Arbeit das Paradoxon, referenzielle und selbstreferenzielle Elemente zu einem Kommunikationssystem zu vereinen. Die Struktur des Interfaces spielt auf die kommunikationsrelevante Ineffizienz des Systems an. Die Installation basiert auf Widersprüchen, die sich aus der Dekontextualisierung von Daten auf semantischer und syntaktischer Ebene ergeben. Indem sie sich auf Strategien der Konzeptkunst der sechziger und siebziger Jahre stützt, arbeitet sie den Unterschied zwischen Repräsentation und Interpretation innerhalb der Dynamik einer codeorientierten Umgebung heraus.

Annette Südbeck, Andrés Ramírez Gaviria

Gregor Eldarb, Andrés Ramirez Gaviria

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Gregor Eldarb, quasi notation, 2005. Mixed media. Ansicht Kunstverein Medienturm, Graz, 2005.

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