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  [NOW´S THE TIME. Montage audiovisuell]

SHOW / LIVE ACTS
Kunstverein Medienturm
Josefigasse 1, 8020 Graz
29.01-05.03.2005

NOW’S THE TIME zeigt Arbeiten von rund 25 Künstlern einer vorwiegend jüngeren Generation, die sich im Spannungsfeld der unterschiedlichen Ikonografien von Pop- und Massenkultur, Lifestyle und den elektronischen Medien bewegen und in diesem Bereich zu einer eigenständigen intermedialen Formensprache gefunden haben. Mit aktuellen Mitteln wird hier an einem heterogenen Bildbegriff gearbeitet, der sich aus einer Montage von Versatzstücken der Populärkultur aufbaut, um diese zu dekontextualisieren und neu zu ordnen.

Die Ausstellung NOW’S THE TIME wird von einem gleichnamigen Projektions-Setting im benachbarten Kunsthaus Graz begleitet. Gerade für das audiovisuelle Setting im Kunsthaus Graz sind Künstler eingeladen, die sich thematisch vergleichbaren Phänomenen stellen wie der Künstler Michel Majerus (1967– 2002), dem zeitlich versetzt eine Retrospektive im Kunsthaus Graz gewidmet ist. Der Maler Michel Majerus steht für einen popkulturellen „sampelnden“ Ansatz, der sich zu seinen Arbeiten aus diversen Eindrücken einer medial geprägten Alltagskultur inspirieren ließ. In seiner Offenheit für genreübergreifende Montageverfahren ist die Arbeitsweise von Majerus ein wesentlicher Ausgangspunkt, um ein Projekt an der Schnittstelle von bildender Kunst und Medienkunst zu lancieren.
Das Projekt NOW’S THE TIME nimmt direkten Bezug auf Verfahrensweisen des Samplings und der Montage, indem gerade im Kunsthaus Graz ein verdichtetes räumliches Setting angeboten wird, das es unmittelbar zulässt, hier unterschiedliche Methoden wie Verfahrensweisen aus dem Bereich der aktuellen Videokunst variantenreich zueinander in Bezug zu bringen. Das raumbildende Setting besteht aus einer zentral ansteuerbaren dreiteiligen Projektionseinheit, die „space02“ großzügig entlang seiner räumlichen Struktur umschreibt und gleichzeitig medial verdichtet. Das derart gestaltete Setting wird nicht nur als Projektionseinheit genutzt, sondern dient auch als Bühne für zwei audiovisuelle Live-Performances von N.I.C.J.O.B. / Axel Stockburger und Daniel Pflumm / Kotai.
Die Ausstellung im Kunstverein Medienturm ergänzt das Screening-Projekt um die Qualität eines offenen Materialbegriffs, neben Video- und Online-Arbeiten steht hier Malerei und Objektkunst im Vordergrund. In der gleichnamigen Ausstellung werden weitere Arbeiten präsentiert, die auf Versatzstücke einer zeitgenössischen Zeichenwelt verweisen und sich der Techniken des re-mixing und re-coding bedienen.
Anhand des programmatischen Ansatzes eines Remix von populärkulturellen Phänomenen entsteht eine spannungsreiche Situation, die durch Querverweise zwischen den einzelnen Arbeiten zusätzlich aufgeladen wird. Zur Disposition steht insgesamt eine aktuelle interdisziplinäre Hinterfragung der Techniken des Samplings wie der Montage, die sich aus Elementen der Alltagskultur wie Werbung, Games, TV-Shows etc. speisen, um diese in eine eigenständige Formensprache zu übersetzen.
Die Kulturtechnik des Samplings meint Techniken des Zerlegens, der Verschiebung und der Aneignung von partikularen Aspekten einer Alltagskultur, die in ihrer Unübersichtlichkeit und Polyvalenz zu einer ständigen Hinterfragung Anlass gibt. Die gesammelten Versatzstücke werden mittels Montagetechniken zu einem re-codierten eigenständigen Ganzen überarbeitet, die ursprünglichen Elemente werden aus ihrem Kontext gerissen und variantenreich zu einem neuen kulturellen Text zusammengesetzt. Durch Fragmentierung und Dekontextualisierung wird die eigene Geschichte durchbrochen, der Code, die Regel, die Tradition wird aufgehoben; insofern ist Sampling auch eine Technik im Umgang mit archivarischen geschichtlichen Bezügen, Geschichte wird gegen die ursprüngliche Schreibung gelesen und so neu interpretierbar. De- und Re-codierung schafft Neues aus dem Alten, indem unterschiedliche Kontexte in einem eigens strukturierten Spannungsbogen zueinander in Bezug gestellt werden. Die ursprünglichen Kontexte gehen bruchstückhaft – losgelöst von ihrer anfänglichen Bedeutung – in einer veränderten Struktur auf, die wesentlich auf das Entstehen einer eigenständigen künstlerischen Arbeit abzielt. Gesamplete Arbeiten hinterfragen so auch den Produktstatus von Kunst, indem eine prozesshafte Arbeitsweise und das Erarbeiten eines Settings im Vordergrund steht.

Doug Aitken, Thomas Baumann, D-Fuse, Christoph Draeger, Tina Frank, Alexander Györfi, Dariusz Kowalski, m.ash, Michel Majerus, Maix Mayer, Sarah Morris, N.I.C.J.O.B., Carsten Nicolai, Pfaffenbichler/Schreiber, Daniel Pflumm, Richard Prince, Franc Purg, reMI, Gerwald Rockenschaub, Lisa Ruyter, Johannes Wohnseifer

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Gerwald Rockenschaub, O.T, 2001/2002. Farbfolie auf Alucore. Courtesy: Georg Kargl, Wien; Ansicht Kunstverein Medienturm, Graz, 2005

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